Archive for the ‘India rocks’ Category

Indiens Tugenden.

Wednesday, June 3rd, 2009

Wir haben neulich Abend in lockerer Expat-Runde zusammengesessen und als es etwas später wurde, kam irgend jemand auf die Idee, einmal aufzulisten, was er mag, am Leben in Indien. Das ist, kurz gefasst, das Ergebnis. Natürlich sehr subjektiv.

– Das Wetter (für Nordeuropäer ein wichtiger Aspekt – sechs Monate Winter und graues Schmuddelwetter eingedenk): Bis auf die Regenzeit haben wir hier mindestens neun Monate im Jahr strahlenden Sonnenschein, und, wenn man von den heißen Monaten Februar bis Juni einmal absieht, angenehme Temperaturen.

– Die persönliche Freiheit, die man dadurch gewinnt, dass man nicht jeden Mist selber machen muss, sondern sich dafür Leute nehmen kann, die froh sind, einem zeitraubende und nervige Arbeit wie Einkaufen und Putzen abzunehmen.

Kalu, der Muezzin.

Saturday, May 30th, 2009

Ich weiß nicht, ob Kalu Muslim ist, aber ich bezweifele es. Weder hat er meines Wissens nach die einschlägigen Rituale durchlaufen, noch legt er in seinem täglichen Verhalten ein annähernd an den Koran angelegtes gläubiges Verhalten an den Tag: Er entrollt nicht fünfmal am Tag einen Gebetsteppich um seine hübsche Schnauze gen Mekka zu wenden, er würde auch, da bin ich sicher, von einem Schweinefilet naschen, wenn es denn bei uns auf den Tisch käme, und wenn ich mich recht erinnere, habe ich ihn spätabends schon ein paar Mal mit einem kleinen Glas Whisky erwischt, als ich schlaftrunken die Treppe herunterkam, um meine Wasserflasche aufzufüllen.

Nein, Kalu ist definitiv kein Muslim.

European bullshit.

Tuesday, May 26th, 2009

Manchmal hat Indien uns eine Menge voraus. Oder sagen wir: Teile der indischen Bevölkerung. Kleine Anteile.

Da liegt man, ganz gelassen, im Staub am Rand eines Markts einer südindischen Hillstation und läßt das Leben mit seinen zahlreichen Belanglosigkeiten an sich vorbeiziehen. Unbeteiligt. Unbeeindruckt. Frei. Was brauchst Du, wenn Du nicht mehr brauchst, als zwei Hände voll Reis, ein bisschen Linsenbrei und eine ausgelesene Zeitung, auf der Du Dein Haupt betten kannst? Was brauchst Du, wenn Du nicht weißt, wo Du die Nacht verbringen wirst oder woher Du die zwei Hände voll Reis bekommen wirst? Und wenn Du trotzdem schläfst wie ein Baby, weil Dich so viele Dinge nicht mehr jucken?

Nicht viel.

Ganz anders als wir Deutschen, Europäer oder sonstige Angehörige der Ersten Welt. Wir sorgen uns. Permanent, um viele Dinge. Das fängt beim Haarshampoo an und hört bei Matratzen auf: Wie dick? Federkern oder Latex? Wie muss man die Elastizität eines Lattenrosts einstellen?

Sisters are doin´it for themselves…

Thursday, May 14th, 2009

Ein Wunder ist geschehen!

Ein Wunder in Pune!

Gott hat mein Flehen erhört und mir einen Engel gesandt!

Keine Sorge: Die Tassen sind noch alle da, wo sie hingehören. Aber, praise the Lord, es ist etwas ganz Außerordentliches geschehen: BSNL hat mein Festnetz UND das DSL innerhalb von 2 Stunden neu aufgesetzt und es FUNKTIONIERT!

Dass ich seit einer Woche keine Landline mehr hatte, hat mich nicht weiter gestört: Ich brauche das Festnetz kaum zum Telefonieren, eigentlich liegt die verdammte Leitung sowieso nur für das DSL. Als allerdings gestern dann auch das orange Kontrolllämpchen verdächtig anfing zu flackern und schließlich nach knapp einer halben Stunde verzweifelten Ringens um Saft aus dem Broadband ganz verglimmte, wusste ich, was die Stunde geschlagen hatte: Aus die Maus, Landline und DSL dead as a doornail.

One thing to be grateful for.

Tuesday, May 12th, 2009

Es ist schon so eine Sache mit dem Expat-Life: Du wirst in eine Gesellschaft gefeuert und kannst dann sehen, wie Du klarkommst. Bislang muss ich sagen, summa summarum, gut. Sehr gut, sogar.

Ich habe gerade mit U. gesprochen: Sitzt am Frankfurter Flughafen und schaut in grauen Nieselregen, 8 Grad? 10 Grad? 15 Grad? Auf jeden Fall saukalt, für indische Verhältnisse.

Oh, ich kann sie mir nur allzu gut vorstellen, all die Business-Traveller in ihren mausgrauen Anzügen, die dort mit ihm sitzen (müssen) und die Zeit in endlosen Handy-Telefonaten verbringen: “Oh ja, Herr Schulz, wollte mich mal kurz bei Ihnen melden, bin jetzt in Frankfurt, leider hat mein Flieger eine Stunde Verspätung, aber schaffen wir das Treffen mit Magna trotzdem noch? Nein, nein, der Flug war o.k., ich müsste nur kurz noch ins Hotel einchecken, bevor ich Sie abhole, wäre das o.k. für Sie? Oh, warten Sie, ich habe gerade einen incoming call, darf ich Sie kurz abhängen? So, da bin ich wieder…”

Auf der Suche nach dem verlorenen Paradies

Friday, May 8th, 2009

Ich will mein Indien zurück. Das Indien, das mich vor einem Jahr begeistert hat mit seiner Farbenpracht, mit seiner Vielfalt, seinem unermesslichen Reichtum an Eindrücken, seiner Bescheidenheit, seiner Lebensfreude, seinem Lächeln.

Ich will meine Freude zurück, wenn ich in irgendeiner staubgeschwängerten Straße in einem kleinen Lokal sitze und meinen Teller Gurkenscheiben mit frischgeschnittenen Zwiebelringen und Limone bekomme und weiß, dass dies die indische Interpretation eines Salats ist und es mich überhaupt nicht stört, dass es kein Dressing gibt, dass das Dressing eben aus ein paar Tröpfchen Limonensaft besteht, nicht mehr. Punkt.

Ich habe Sehnsucht nach der Einfachheit MEINER Ansprüche, mit der ich in der Lage war, dieses höchst komplexe Land vor einem Jahr zu umarmen, umarmt zu werden – und, wichtiger, zufrieden zu sein.